Archiv des Autors: Rosa Kutz

Erste Ergebnisse der NAPISTAR 1-01 Studie

Neue zielgerichtete Therapie beim platinresistenten Eierstockkrebs untersucht

Beim ESGO 2026 wurden die ersten Ergebnisse einer frühen klinischen Studie zu einem neuen Medikament namens TUB-040 bei Patientinnen mit platinresistentem Eierstockkrebs untersucht. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (ADC) – eine zielgerichtete Therapie, die Krebszellen gezielt erkennt und ein starkes Zellgift direkt zu ihnen transportiert.

TUB-040 ist ein ADC der gegen ein Protein namens NaPi2b (Natrium-abhängiges Phosphat-Transportprotein 2B) gerichtet ist. NaPi2b ist ein Transporter, der Phosphat in Geweben wie Lunge und Darm reguliert und das bei hochgradig serösem Eierstockkrebs und nicht-kleinzelligem Lungenkrebs überdurchschnittlich häufig an der Zelloberfläche auftritt.

Worum ging es in der Studie?

Die NAPISTAR 1-01-Studie ist eine frühe Phase-1/2a-Studie, in der vor allem geprüft wird,

  • wie gut ein neues Medikament vertragen wird und

  • welche Dosierung geeignet ist.

Insgesamt wurden 67 Patientinnen mit platinresistentem hochgradig serösem Eierstockkrebs behandelt. Viele von ihnen hatten bereits mehrere Therapien erhalten, im Durchschnitt vier vorherige Behandlungen, darunter häufig Bevacizumab oder PARP-Inhibitoren.

Welche Ergebnisse wurden beobachtet?

Die Ergebnisse sind für eine frühe Studie sehr vielversprechend:

  • Eine bestätigte Tumorverkleinerung wurde bei 50 % der Patientinnen festgestellt.

  • Insgesamt konnte die Erkrankung bei 96 % der Patientinnen zumindest stabilisiert werden.

Zudem hielten viele der beobachteten Therapieantworten zum Zeitpunkt der Auswertung noch an, die Endergebnisse sind also noch ausstehend.

Nebenwirkungen

Die Behandlung wurde insgesamt gut vertragen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählten Übelkeit, Müdigkeit und Veränderungen der Blutwerte. Schwere Nebenwirkungen waren relativ selten. Wichtig ist auch, dass keine schweren Probleme wie Lungenentzündung, Nervenschäden oder Augenprobleme beobachtet wurden.

Was bedeutet das für Patientinnen?

Die Ergebnisse zeigen, dass TUB-040 eine mögliche neue Therapieoption für Patientinnen mit platinresistentem Eierstockkrebs sein könnte, besonders für diejenigen, bei denen bereits mehrere Behandlungen nicht mehr wirken.

Allerdings handelt es sich noch um eine frühe Phase-1/2-Studie. Das Medikament muss deshalb noch in größeren Studien untersucht werden, bevor entschieden werden kann, ob es künftig regulär eingesetzt wird.

Quelle: Publikation (der Artikel ist auf Englisch)

Positive Studienergebnisse in der DUO-O Studie!

Neue Kombinationsbehandlung beim fortgeschrittenen Eierstockkrebs untersucht

Die internationale Phase-3-Studie (DUO-O) hat untersucht, ob eine Kombination aus Immuntherapie, Chemotherapie, zielgerichteter Therapie und Erhaltungstherapie das Fortschreiten von neu diagnostiziertem fortgeschrittenem Eierstockkrebs verzögern kann.

An der Studie nahmen über 1.100 Patientinnen teil, deren Tumor keine BRCA-Mutation aufwies. Alle erhielten zunächst die Standardbehandlung mit Carboplatin und Paclitaxelhäufig kombiniert mit dem Antikörper BevacizumabAnschließend wurden verschiedene zusätzliche Therapiekombinationen getestet.

Wichtigstes Ergebnis der Studie

Die Kombination aus Durvalumab (Immuntherapie) + Chemotherapie + Bevacizumabgefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Durvalumab, Bevacizumab und dem PARP-Inhibitor Olaparibkonnte das Fortschreiten der Erkrankung deutlich hinauszögern.

  • Bei allen Patientinnen ohne BRCA-Mutation blieb die Erkrankung im Durchschnitt 24,2 Monate stabilverglichen mit 19,3 Monaten unter der bisherigen Standardbehandlung.

  • Besonders deutlich war der Effekt bei Patientinnen mit einer sogenannten HRD-positiven TumorbiologieHier lag die Zeit bis zum Fortschreiten bei über drei Jahren.

Die Behandlung mit Durvalumab allein zusätzlich zur Standardtherapie zeigte dagegen keinen klaren Vorteil.

Überleben noch unklar

Ob diese Kombination auch das Gesamtüberleben verlängertist derzeit noch nicht sicher. In den bisherigen Auswertungen konnte noch kein eindeutiger Überlebensvorteil gezeigt werden, dafür sind längere Nachbeobachtungszeiten nötig.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen entsprachen im Wesentlichen denen der einzelnen Medikamente und waren insgesamt vergleichbar mit bisherigen Erfahrungen.

Was bedeutet das für Patientinnen?

Die Studie zeigt, dass eine Kombination aus Immuntherapie und PARP-Inhibitor in der Erstbehandlung des fortgeschrittenen Eierstockkrebses das Fortschreiten der Krankheit möglicherweise deutlich länger hinauszögern kannbesonders bei bestimmten Tumorbiologien.

Ob diese Therapie künftig Standard in der Erstlinie wird, hängt jedoch von weiteren Auswertungen und Zulassungsentscheidungen ab.

Quelle: Publikation (der Artikel ist auf Englisch)

Highlight vom ESGO 2026 und neue Zulassung!

Wir waren beim ESGO in Kopenhagen und haben die Vorstellung der Studienergebnisse gesehen, die im Februar schon eine FDA Zulassung bekommen haben!

Keytruda + Paclitaxel als neue Option bei platinresistentem Eierstockkrebs

Am 10. Februar 2026 hat die US-Arzneimittelbehörde FDA eine neue Kombination aus dem Immuntherapie-Medikament Pembrolizumab (Keytruda) und der Chemotherapie Paclitaxel zugelassen (unabhängig von paralleler Behandlung mit Bevacizumab) für erwachsene Patientinnen mit platinresistentem epithelialem Eierstockkrebs, Eileiter- oder primärem Bauchfellkrebs, deren Tumoren PD-L1-positiv sind und die bereits eine oder zwei systemische Therapien erhalten haben.

Die Zulassung wurde basierend auf den finalen Ergebnissen der internationalen Phase-3-Studie ENGOT-ov65 / KEYNOTE-B96 erteilt.

🧪 Worum ging es in der Studie?

In der KEYNOTE-B96-Studie wurden 643 Patientinnen randomisiert untersucht, deren Tumor nach einer früheren platinbasierten Chemotherapie weiter wuchs. Alle erhielten Paclitaxel und optional Bevacizumab; zusätzlich bekam die eine Hälfte Pembrolizumab, die andere ein Placebo.

Wichtige Ergebnisse bei Patientinnen mit PD-L1-positiven Tumoren:

  • Das progressionsfreie Überleben (PFS), also die Zeit bis zur nächsten Krankheitsausbreitung, betrug 8,3 Monate mit Pembrolizumab vs. 7,2 Monate ohne Pembrolizumab. Das bedeutet, dass die Erkrankung unter der Kombination länger gestoppt werden konnte.

  • Das Gesamtüberleben (OS) war ebenfalls besser: durchschnittlich 18,2 Monate mit Pembrolizumab vs. 14,0 Monate ohne, was auf einen signifikanten Überlebensvorteil hinweist.

Diese Unterschiede waren statistisch signifikant, also keinen zufälligen Schwankungen zuzuschreiben, und zeigen, dass die Immuntherapie zusätzlich zur Chemotherapie sowohl das Fortschreiten verzögern als auch das Leben verlängern kann.

🧬 PD-L1-Test als Voraussetzung

Die Zulassung gilt nur für Patientinnen, deren Tumoren PD-L1 positiv sind, also bestimmte Immunmarker aufweisen. Dafür wurde zusätzlich ein begleitender PD-L1-Test (der PD-L1 IHC 22C3 pharmDx) von der FDA als Grundlage anerkannt, um Patientinnen auszuwählen, die von dieser Therapie profitieren könnten.

! Sicherheit & Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungshäufigkeit der Kombination war vergleichbar zu früheren Erfahrungen mit diesen Medikamenten und zeigte keine unerwarteten Sicherheitsprobleme. Allerdings können immunbedingte Reaktionen, Infusionsreaktionen und andere typische Effekte auftreten, weshalb eine sorgfältige ärztliche Begleitung wichtig ist.


📍 Was bedeutet das für Patientinnen in Deutschland?

✔️ Neue Therapieoption
Diese FDA-Zulassung markiert einen wichtigen Schritt: Zum ersten Mal wurde eine Immuntherapie-Kombination bei PD-L1-positivem, platinresistentem Eierstockkrebs offiziell genehmigt, weil solide Daten für längeres Überleben und bessere Krankheitskontrolle vorliegen.

✔️ PD-L1-Test wichtig
Voraussetzung für den Einsatz ist ein positiver PD-L1-Status, der vor Beginn der Therapie bestimmt werden muss, ähnlich wie bei anderen Immuntherapien.

✔️ Noch keine Zulassung in Europa
In Europa, also auch in Deutschland, ist diese Behandlung aktuell noch nicht offiziell zugelassen, die Daten wurden jedoch auch dort vorgestellt und der Zulassungsprozess bei der EMA läuft. Das bedeutet, dass Patientinnen diese Option derzeit noch nicht routinemäßig erhalten können, aber es ist sehr gut möglich, dass sie in absehbarer Zeit auch in Europa verfügbar wird.

✔️ Relevanz für die Versorgung
Vor allem für Patientinnen mit PD-L1-positiven, platinresistenten Tumoren könnte diese Kombination künftig eine bedeutende zusätzliche Behandlungsoption darstellen, insbesondere wenn Standardtherapien nicht mehr wirken.

Quelle: FDA Mitteilung (der Artikel ist auf Englisch)

Neue Abschlussdaten: Immuntherapie mit Atezolizumab bringt keinen Zusatznutzen bei rezidivierendem Eierstockkrebs

Neue Abschlussdaten: Immuntherapie mit Atezolizumab bringt keinen Zusatznutzen bei rezidivierendem Eierstockkrebs

Im Dezember 2025 wurden die finalen Studienergebnisse der AGO-OVAR 2.29 (ENGOT-ov34) Studie veröffentlicht.

In dieser großen internationalen Phase-III-Studie wurde untersucht, ob die zusätzliche Gabe des Immuntherapie-Medikaments Atezolizumab zusammen mit Bevacizumab und einer nicht-platinbasierten Chemotherapie das Überleben von Patientinnen mit rezidivierendem Eierstockkrebs verlängern kann.
Diese Form des Krebses tritt wieder auf, obwohl eine platinbasierte Chemotherapie bereits gegeben wurde, und gilt als besonders schwer zu behandeln.

Insgesamt wurden 574 Patientinnen in der Studie randomisiert und erhielten entweder die Standardbehandlung (Chemotherapie + Bevacizumab + Placebo) oder zusätzlich Atezolizumab.

Was hat die Studie gezeigt?

➡️ Kein deutlicher Überlebensvorteil wurde durch die Zugabe von Atezolizumab gefunden:

  • Die mediane Gesamtüberlebenszeit (OS) lag mit Atezolizumab bei etwa 14,2 Monaten und in der Kontrollgruppe bei 13,0 Monaten – dieser Unterschied war nicht statistisch signifikant, also nicht klar genug, um von einem verlässlichen Vorteil zu sprechen.

  • Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) – also die Zeit, in der der Tumor nicht wieder wächst – war mit Atezolizumab 6,4 Monate im Vergleich zu 6,7 Monaten in der Kontrollgruppe praktisch gleich und ebenfalls ohne statistisch gesicherten Vorteil.

💡 Das heißt: Die Immuntherapie mit Atezolizumab hat in dieser Studie nicht zu einer klar verbesserten Krankheitskontrolle oder Lebensverlängerung geführt, wenn sie zusätzlich zu Bevacizumab und Chemotherapie gegeben wurde.

Wie sieht es mit Nebenwirkungen aus?

Schwere Nebenwirkungen (Grad ≥ 3) traten bei Patientinnen, die Atezolizumab erhielten, etwas häufiger auf (72 % vs. 69 %), insgesamt war das Sicherheitsprofil aber vergleichbar mit dem, was bereits von den einzelnen Medikamenten bekannt ist.

Wurde ein Unterschied je nach PD-L1-Status beobachtet?

Die Studie untersuchte auch, ob Patientinnen mit PD-L1-positiven Tumoren (ein möglicher Hinweis auf ein besseres Ansprechen auf Immuntherapie) stärker von Atezolizumab profitieren. Das war nicht der Fall – die Ergebnisse waren ähnlich, egal ob der Tumor PD-L1-positiv oder -negativ war.

Wichtiger Beitrag zur Forschung
Auch wenn diese speziellen Ergebnisse negativ ausfallen, sind solche großen Studien wichtig, um genau zu verstehen, welche Therapien in welchen Situationen wirklich helfen – und wo wir noch neue Ansätze brauchen.

💡 Standards bleiben unverändert
Für Patientinnen mit platinresistentem Rezidiv bleiben derzeit die etablierten Behandlungswege, wie Chemotherapie mit Bevacizumab oder andere wirksame Kombinationen, der empfohlene Standard. Eine Immuntherapie wie Atezolizumab ist in diesem Setting aktuell nicht nachweislich wirksamer zusätzlich zur Standardbehandlung.

Quelle: Publikation vom ASCO (der Artikel ist auf Englisch)