Im Rahmen des NOGGO-Updates Gynäkologische Onkologie wurden die wichtigsten Studien zum diesjährigen ASCO-Kongress vorgestellt. Für Patientinnen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs standen vor allem die optimale Behandlungsstrategie sowie neue zielgerichtete und zellbasierte Therapien im Mittelpunkt.
Eierstockkrebs
Primäre Behandlung: Die Operation bleibt der wichtigste Baustein
Die Ergebnisse der TRUST-Studie bestätigen den bisherigen Behandlungsstandard. Untersucht wurde, ob Patientinnen, die zunächst nicht operiert werden können, von sechs statt drei Chemotherapiezyklen vor einer Operation profitieren.
Die Studie zeigte jedoch keinen Vorteil durch eine längere Chemotherapie vor dem Eingriff. Weder die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Tumorentfernung noch das progressionsfreie oder das Gesamtüberleben konnten dadurch verbessert werden.
Die Schlussfolgerung der Expertinnen und Experten lautet daher: Wenn nach drei Chemotherapiezyklen keine erfolgreiche Operation möglich erscheint, sollte der Schwerpunkt auf der medikamentösen Behandlung liegen. Eine erneute Operationsplanung nach sechs Zyklen brachte keinen zusätzlichen Nutzen.
Die aktuellen Leitlinien bleiben damit unverändert: Wenn eine vollständige Entfernung des Tumors mit vertretbarem Risiko möglich ist, sollte weiterhin eine Primäroperation, gefolgt von einer Systemtherapie, angestrebt werden.
Platinresistenter Eierstockkrebs: Hoffnung durch neue zielgerichtete Therapien
Vielversprechende Ergebnisse zeigte die NAPISTAR-1-01-Studie, in der das neue Antikörper-Wirkstoff-Konjugat TUB-040 untersucht wurde. Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) erkennen gezielt Krebszellen und transportieren ein Zellgift direkt in die Tumorzellen.
Obwohl es sich noch um eine frühe Phase-1-Studie handelt, lag das progressionsfreie Überleben bei rund 11 Monaten, ein ermutigendes Ergebnis für Patientinnen mit platinresistentem Eierstockkrebs, bei denen die bisherigen Behandlungsmöglichkeiten oft nur deutlich kürzere Krankheitskontrollen ermöglichen. Besonders positiv war außerdem, dass keine Augentoxizitäten beobachtet wurden, die bei anderen ADC-Therapien häufiger auftreten können.
Neue Immuntherapie: T-Zell-Therapie zeigt erste Erfolge
Eine weitere Phase-1-Studie untersuchte die T-Zell-Therapie IMA203CD8 bei Patientinnen mit weit fortgeschrittenem Eierstockkrebs, die bereits mehrere Therapien erhalten hatten.
Bei dieser Behandlungsform werden körpereigene Immunzellen gezielt darauf vorbereitet, ein bestimmtes Protein auf den Tumorzellen (PRAME) zu erkennen und anzugreifen.
Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend: Bei 78 % der Patientinnen verkleinerte sich der Tumor, und bei 63 % wurde ein objektives Ansprechen der Therapie beobachtet. Zudem hielten viele der erzielten Therapieerfolge über längere Zeit an, die bislang längste beobachtete vollständige Stoffwechselremission bestand auch zwölf Monate nach der Behandlung noch. Die Therapie wurde insgesamt gut vertragen.
Da es sich auch hierbei um eine frühe klinische Studie handelt, sind weitere Untersuchungen notwendig, bevor diese Behandlung im klinischen Alltag eingesetzt werden kann.
Endometriumkrebs
RUBY-Studie: Langfristiger Nutzen der Immuntherapie bestätigt
Neue Langzeitdaten der RUBY-Studie bestätigen den anhaltenden Nutzen der Immuntherapie Dostarlimab in Kombination mit einer Chemotherapie bei Patientinnen mit dMMR-Endometriumkarzinom (Tumoren mit einer Störung der DNA-Reparatur).
Die Langzeitbeobachtung zeigt, dass viele Patientinnen dauerhaft von der Behandlung profitieren und langfristig ohne Fortschreiten der Erkrankung leben. Nach Einschätzung der Studienautorinnen und -autoren besteht bei einem Teil dieser Patientinnen sogar die Aussicht auf eine dauerhafte Krankheitskontrolle bis hin zu einer möglichen Heilung.
Die Ergebnisse unterstreichen damit den hohen Stellenwert der Kombination aus Dostarlimab und Chemotherapie bei Patientinnen mit dMMR-Endometriumkarzinom.
Kurzfassungen der vorgestellten Studien sind direkt auf der Seite vom ASCO zu finden (die Seite ist auf Englisch).
In den kommenden Tagen findet ihr aber auch kurze Videos zu den Highlights des ASCO auf unseren Social Media Kanälen!