Kategoriearchiv: Wissenschaft

Neue Ergebnisse aus der EXPRESSION-Reihe: Patientinnenperspektiven im Mittelpunkt

Neue Ergebnisse aus der EXPRESSION-Reihe: Patientinnenperspektiven im Mittelpunkt

Mit der EXPRESSION-Reihe untersucht die NOGGO seit mehreren Jahren die Erfahrungen, Bedürfnisse und Wahrnehmungen von Patientinnen mit gynäkologischen Krebserkrankungen und Brustkrebs. Zwei aktuelle Publikationen zeigen erneut, wie wichtig die Sichtweise der Patientinnen für eine gute medizinische Versorgung ist.

EXPRESSION VIII: Informationsstand bei Borderline-Tumoren des Ovars

Borderline-Tumore des Ovars sind seltene Tumore, die sich von Eierstockkrebs unterscheiden und in der Regel eine sehr gute Prognose haben. Dennoch bestehen bei vielen betroffenen Patientinnen Unsicherheiten darüber, an welcher Erkrankung sie tatsächlich leiden und wie diese behandelt wird. Die finale Auswertung der EXPRESSION-VIII-Umfrage untersuchte deshalb, wie gut Patientinnen über ihre Erkrankung, die Behandlung und die Prognose informiert sind.

Insgesamt nahmen 286 Patientinnen mit Borderline-Tumoren an der Befragung teil. Die Ärztin oder der Arzt war für 81 % der Patientinnen die wichtigste Informationsquelle, und die Qualität der erhaltenen Informationen wurde mit durchschnittlich 8,6 von 10 Punkten sehr positiv bewertet. Trotzdem zeigten sich deutliche Wissenslücken: 29 % der Patientinnen gingen davon aus, an Eierstockkrebs erkrankt zu sein, obwohl ein Borderline-Tumor eine eigene Tumorerkrankung darstellt. Zudem wussten 64 % der Befragten nicht, welchem Tumorstadium ihre Erkrankung zugeordnet wurde. Auch die Einschätzung der Schwere der Erkrankung und des Rückfall- oder Sterberisikos fiel teilweise höher aus, als es die in der Regel sehr gute Prognose von Borderline-Tumoren erwarten lässt.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass auch bei grundsätzlich guter ärztlicher Aufklärung Missverständnisse bestehen bleiben können. Eine strukturierte und verständliche Information über die Besonderheiten, die meist gute Prognose und die Behandlung von Borderline-Tumoren könnte dazu beitragen, Ängste und Fehlvorstellungen zu reduzieren. Gleichzeitig sprechen die Ergebnisse dafür, die Behandlung und Nachsorge dieser seltenen Erkrankungen möglichst in erfahrenen Zentren zu bündeln.

EXPRESSION XIII: Krebsversorgung während der COVID-19-Pandemie

Die EXPRESSION-XIII-Umfrage beschäftigte sich mit einer ganz anderen außergewöhnlichen Situation: Wie haben Patientinnen mit gynäkologischen Krebserkrankungen und Brustkrebs die Veränderungen der medizinischen Versorgung während der COVID-19-Pandemie erlebt? Zwischen Oktober 2020 und Februar 2022 wurden dazu an gynäkologisch-onkologischen Zentren in Deutschland insgesamt 778 Patientinnen ausgewertet.

Dabei zeigte sich, dass die Krebsversorgung trotz der großen Belastung des Gesundheitssystems weitgehend stabil blieb. Bei 77,1 % der Patientinnen blieb der Behandlungsplan unverändert, während bei 9 % Änderungen der Behandlung oder Termine angegeben wurden. Auch das Vertrauen in das Gesundheitssystem blieb insgesamt hoch: 83,4 % der Patientinnen gaben an, weiterhin Vertrauen in das Gesundheitssystem zu haben.

Deutlich stärker als die medizinische Versorgung war jedoch die psychische Belastung. Mehr als die Hälfte der Patientinnen berichtete während der Pandemie über Sorgen oder Ängste. Besonders jüngere Patientinnen waren von zusätzlichen Belastungen im Alltag betroffen, beispielsweise im Zusammenhang mit Arbeit, Schule oder Kinderbetreuung. Gleichzeitig war die Bereitschaft zu Schutzmaßnahmen hoch: 85,9 % der Befragten gaben an, sich gegen COVID-19 impfen lassen zu wollen.

Die Ergebnisse zeigen, dass eine gute Krebsversorgung auch in Krisenzeiten aufrechterhalten werden kann. Gleichzeitig machen sie deutlich, dass die psychische Unterstützung von Patientinnen stärker berücksichtigt werden sollte. Angebote wie psychoonkologische Unterstützung sowie Telefon- oder Videosprechstunden könnten dabei zukünftig eine wichtige Ergänzung darstellen.

Was zeigen die beiden Studien gemeinsam?

Ob es um die Aufklärung über eine seltene Tumorerkrankung oder um die Versorgung während einer weltweiten Krise geht: Die Perspektive der Patientinnen liefert wichtige Erkenntnisse, die durch medizinische Daten allein nicht sichtbar werden. Die EXPRESSION-Reihe trägt dazu bei, diese Erfahrungen systematisch zu erfassen und daraus Ansatzpunkte für eine verständlichere Information, eine bessere Kommunikation und eine patientenorientierte Versorgung abzuleiten.

Quelle: Expression 8 und Expression 13 (die Publikationen sind auf Englisch)

Elahere (MIRV) hält Lebensqualität stabil – neue Analyse der MIRASOL-Studie

Elahere (MIRV) hält Lebensqualität stabil
– neue Analyse der MIRASOL-Studie

Im April 2025 wurden neue Ergebnisse der MIRASOL Studie veröffentlicht.

Die Studienergebnisse zeigten, dass das Medikament Mirvetuximab soravtansine-gynx (Handelsname Elahere) die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung sowie das Gesamtüberleben bei Patientinnen mit platinresistentem Eierstockkrebs, der einen hohen Spiegel des Folsäurerezeptors α (FRα) aufwies, verlängerte.

Lebensqualität im Fokus

Neueste Daten aus der Studie beurteilen die Lebensqualität aus Patientinnen‑Sicht (Patient‑Reported Outcomes).

Hier zeigte sich, dass Elahere im Vergleich zur klassischen Chemotherapie die Lebensqualität weder verschlechtern noch klar verbessern kann Speziell bei Bauch‑ und Verdauungsbeschwerden gab es leichte Hinweise auf Vorteile: 21 % der Patientinnen unter Elahere berichteten von spürbaren Verbesserungen – im Vergleich zu 15 % unter Chemotherapie, wobei der Unterschied statistisch nicht ganz sicher warDennoch gab es in einer Nachanalyse, mit anderen Messwerten, Hinweise auf tatsächliche Verbesserungen bei bis zu 29 % vs. 18 % .

Was heißt das konkret?

  • Keine Verschlechterung der Lebensqualität: Frauen unter Therapie mit Elahere berichteten über ähnliche Lebensumstände wie bei der Standardtherapie.

  • Symptome bleiben stabil: Wichtige Alltagssymptome wie Schmerzen oder Appetit fanden keine Verschlechterung.

  • Kombination aus Wirksamkeit und Stabilität: Da Elahere zusätzlich nachweislich das Überleben verlängert, bietet es nun eine vielversprechende Therapieoption – ohne zusätzliche Last durch schlechte Lebensqualität .

Warum ist das relevant?

  • Behandlung wirksam & gut verträglichElahere verschiebt nicht nur die Krankheit, sondern beeinflusst den Alltag der Patientinnen nicht negativ.

  • Neue Option für eine schwer behandelbare Situation: Bei platinresistentem Eierstockkrebs gibt es nur wenige wirksame Behandlungswege – Elahere ergänzt dieses Feld um eine solide Möglichkeit.

Quelle: The Lancet Oncology (der Artikel ist auf Englisch)

Keine Wirkung bei Eierstockkrebs: Entwicklung von Nemvaleukin wird gestoppt

Keine Wirkung bei Eierstockkrebs:
Entwicklung von Nemvaleukin wird gestoppt

Im März 2025 veröffentlichte das Unternehmen Mural Oncology enttäuschende Neuigkeiten für Patientinnen mit platinresistentem Eierstockkrebs.

Die internationale Phase-3-Studie ARTISTRY-7 hatte untersucht, ob eine Kombination aus zwei Immuntherapien – Nemvaleukin und Pembrolizumab – wirksamer ist als eine Standard-Chemotherapie. Leider zeigte sich in einer Zwischenanalyse: Die Kombinationstherapie verlängerte das Überleben der Patientinnen nicht im Vergleich zur Chemotherapie.

Die mittlere Überlebenszeit betrug in der Immuntherapie-Gruppe 10,1 Monate, in der Vergleichsgruppe 9,8 Monate – ein sehr geringer und somit kein statistisch relevanter Unterschied. Deshalb wurde die Studie vorzeitig gestoppt und die Entwicklung des Medikaments für diese Krebsform eingestellt.

Was ist Nemvaleukin?

Nemvaleukin ist ein experimentelles Medikament, das ursprünglich entwickelt wurde, um das Immunsystem gezielt gegen Tumorzellen zu aktivieren – ohne die starken Nebenwirkungen herkömmlicher Immunaktivatoren. Es wurde bereits in mehreren Studien erprobt, unter anderem bei schwarzem Hautkrebs (Melanom). Auch dort blieben die erhofften Therapieerfolge aus.

Konsequenzen: Firma stellt Entwicklung ein

Wenige Wochen nach den ersten Ergebnissen kündigte Mural Oncology an, die gesamte klinische Entwicklung von Nemvaleukin zu beenden – auch bei anderen Krebsarten wie dem Melanom. Zugleich plant das Unternehmen eine drastische Umstrukturierung, was den Abbau von Arbeitsplätze betrifft und eventuell den Verkauf oder eine Fusion mit einem anderen Unternehmen.

Bedeutung für Patientinnen

Für Patientinnen mit platinresistentem Eierstockkrebs bleibt die Behandlung weiterhin eine große Herausforderung – neue Optionen sind dringend notwendig. Trotz dieser Enttäuschung ist die Studie ein wichtiger Beitrag zum besseren Verständnis, warum manche Krebsarten, wie Eierstockkrebs, so schwer auf Immuntherapien ansprechen.

Quelle: Mural Oncology Pressemitteilung 1 und Pressemitteilung 2 (die Artikel sind auf Englisch)